Omega-3-Formen im Vergleich: Triglycerid, Ethylester und Phospholipid

Die vier Bindungsformen von EPA und DHA wissenschaftlich erklärt: Wie sie hergestellt werden, wie gut der Körper sie aufnimmt und warum die Form auf dem Etikett über die Wirksamkeit Ihrer Omega-3-Kapseln entscheidet.

Ringo Dühmke
Verfasst vonRingo Dühmke
Aktualisiert: 17. März 2026
Lesezeit: ca. 14 Min.

Nicht jedes Omega-3-Supplement ist gleich wirksam, selbst wenn die gleiche Menge EPA und DHA auf dem Etikett steht. Der Grund: EPA und DHA können an unterschiedliche Trägermoleküle gebunden sein, und diese Bindungsform bestimmt maßgeblich, wie viel davon tatsächlich im Blut ankommt. Die vier relevanten Formen sind natürliche Triglyceride (TG), re-esterifizierte Triglyceride (rTG), Ethylester (EE) und Phospholipide (PL). Dieser Artikel erklärt die Unterschiede verständlich und wissenschaftlich fundiert, damit Sie beim Kauf von Omega-3-Kapseln oder Flüssigpräparaten die richtige Entscheidung treffen.

Bioverfügbarkeits-Rangfolge (wissenschaftlicher Konsens 2025)

Platz 1

rTG

Re-esterifiziertes Triglycerid

Platz 2

PL

Phospholipid (Krillöl)

Platz 3

TG

Natürliches Triglycerid

Platz 4

EE

Ethylester

Warum die Form so wichtig ist

EPA und DHA sind die entscheidenden Omega-3-Fettsäuren für Ihre Gesundheit. Aber sie kommen in Nahrungsergänzungsmitteln nicht „frei" vor, sondern sind immer an ein Trägermolekül gebunden. Dieses Trägermolekül bestimmt, wie der Körper die Fettsäuren im Verdauungstrakt aufschließt, aufnimmt und verwertet. Der Unterschied ist nicht marginal: Studien zeigen, dass die Bioverfügbarkeit je nach Form um 50 bis 70 % variieren kann. Das bedeutet: Von derselben Menge EPA+DHA auf dem Etikett kommt bei einer schlechten Form deutlich weniger in Ihren Zellen an.

Der Verdauungsprozess im Detail: Im Dünndarm werden Fette durch Gallensäuren emulgiert und anschließend durch das Enzym Pankreaslipase gespalten. Dieses Enzym ist evolutionär auf die Spaltung von Triglyceriden (der natürlichen Fettform) optimiert. Ethylester haben eine andere chemische Struktur und erfordern einen zusätzlichen enzymatischen Schritt, der weniger effizient abläuft. Deshalb gelangen aus der Triglycerid-Form mehr EPA und DHA ins Blut als aus der Ethylester-Form.

Die vier Omega-3-Formen im Detail

rTG

Re-esterifiziertes Triglycerid (rTG)

Goldstandard der Omega-3-Supplementierung

Bei der rTG-Form wird Fischöl zunächst zu Ethylester konzentriert (um EPA und DHA anzureichern und Schadstoffe zu entfernen) und anschließend wieder in die natürliche Triglycerid-Form zurückverwandelt. Dabei wird das Ethanol vollständig abgespalten und die Fettsäuren erneut an ein Glyceringerüst gebunden. Das Ergebnis: Ein hochkonzentriertes Omega-3-Öl (60 bis 90 % EPA+DHA) in der natürlichen, gut resorbierbaren Triglycerid-Form.

Vorteile: Höchste Bioverfügbarkeit, hohe Konzentration, natürliche Form, oxidationsstabiler als EE
Nachteile: Aufwendigere Herstellung (ca. 40 % teurer als EE), deshalb höherer Produktpreis

Vorkommend in: Hochwertigen Fischöl-Konzentraten (z. B. EPAX-Markenrohstoff), einigen Algenöl-Produkten

TG

Natürliches Triglycerid (TG)

Die Form, wie sie im Fisch vorkommt

In Fischen und Algen liegen EPA und DHA natürlicherweise als Triglyceride vor: Drei Fettsäuremoleküle sind an ein Glyceringerüst gebunden. Die Pankreaslipase spaltet diese Form effizient. Unkonzentriertes Fischöl enthält EPA und DHA in dieser natürlichen Form, allerdings nur zu ca. 30 % (der Rest sind andere Fettsäuren). Diese Form wird als „Vollspektrumöl" mit über 50 verschiedenen Fettsäuren geschätzt.

Vorteile: Natürliche Form, gute Bioverfügbarkeit, Vollspektrum-Fettsäureprofil, gute Verträglichkeit
Nachteile: Niedrigere EPA+DHA-Konzentration (ca. 30 %), mehr Kapseln nötig für hohe Dosierungen

Vorkommend in: Naturbelassenem Fischöl (nicht konzentriert), Lebertran, einigen Algenölen

EE

Ethylester (EE)

Die günstige, aber schlechter aufnehmbare Form

Bei der Herstellung von Omega-3-Konzentraten wird das Glyceringerüst der Triglyceride durch Ethanol ersetzt. So entstehen Ethylester, eine halbsynthetische Form, die in der Natur nicht vorkommt. Diese Form erlaubt es, EPA und DHA kostengünstig hochzukonzentrieren. Die meisten Billigprodukte in Drogerien und Online-Shops verwenden Ethylester, weil der Rückveresterungsschritt zu Triglyceriden ca. 40 % zusätzliche Herstellungskosten verursacht.

Vorteile: Günstiger in der Herstellung, hohe EPA+DHA-Konzentration möglich, weit verbreitet
Nachteile: Niedrigere Bioverfügbarkeit (ca. 50 bis 70 % weniger als rTG), oxidationsanfälliger, häufiger fischiges Aufstoßen

Erkennung: Steht auf dem Etikett nur „Fischölkonzentrat" ohne Angabe der Form, handelt es sich fast immer um Ethylester

PL

Phospholipid (PL)

Die Membranform aus Krillöl

In Krillöl sind EPA und DHA zu einem großen Teil an Phospholipide gebunden (hauptsächlich Phosphatidylcholin). Phospholipide sind die Bausteine unserer Zellmembranen, weshalb der Körper sie gut erkennt und aufnimmt. Im Magen bilden sie eine Emulsion statt einer Fettschicht, was die Verträglichkeit verbessert und fischiges Aufstoßen verhindert. Die Bioverfügbarkeit ist vergleichbar mit rTG, allerdings ist der EPA+DHA-Gehalt pro Kapsel deutlich niedriger.

Vorteile: Gute Bioverfügbarkeit, kein Aufstoßen, natürliches Astaxanthin und Cholin inklusive
Nachteile: Niedriger EPA+DHA-Gehalt pro Kapsel, deutlich teurer, Schalentier-Allergen, nicht vegan

Vorkommend in: Krillöl-Kapseln (Euphausia superba)

Bioverfügbarkeit: Was die Studien zeigen

Die Bioverfügbarkeit beschreibt, wie viel von den eingenommenen Omega-3-Fettsäuren tatsächlich im Blutplasma ankommt und den Zellen zur Verfügung steht. Mehrere Studien haben die Formen direkt miteinander verglichen.

1

Dyerberg et al. (2010): Die Referenzstudie

72 Probanden erhielten über zwei Wochen EPA+DHA in verschiedenen Formen. Ergebnis: Die durchschnittliche relative Bioverfügbarkeit von Ethylester betrug 73 % gegenüber 124 % für natürliche Triglyceride. Das entspricht einer um ca. 70 % höheren Aufnahme aus der Triglycerid-Form. Am besten schnitten re-esterifizierte Triglyceride ab, am schlechtesten Ethylester. Freie Fettsäuren und Lebertran lagen dazwischen.

2

Neubronner et al. (2011): Langzeitvergleich TG vs. EE

Nach sechs Monaten Supplementierung zeigten Probanden, die EPA und DHA in Triglycerid-Form einnahmen, einen signifikant höheren Omega-3-Index als die Vergleichsgruppe mit Ethylester. Der Unterschied war nicht nur kurzfristig, sondern verstärkte sich im Langzeitverlauf.

3

Beckermann et al. (1990): Plasmaspiegel-Vergleich

Triglycerid-Fischöl erzielte um ca. 50 % höhere EPA- und DHA-Plasmaspiegel als Ethylester-Fischöl. Freie Fettsäuren lagen dazwischen. Diese frühe Studie war eine der ersten, die den Absorptionsunterschied systematisch dokumentierte.

Wichtige Einschränkung: Die Mahlzeit zählt

Die Aufnahme von Ethylester verbessert sich deutlich, wenn die Kapseln mit einer fetthaltigen Mahlzeit eingenommen werden. Die Pankreaslipase wird durch Nahrungsfett aktiviert. Bei nüchterner Einnahme ist der Nachteil von EE besonders groß. Triglyceride werden dagegen auch ohne fettreiche Mahlzeit gut aufgenommen.

Herstellung: Vom Fisch zum Konzentrat

Um zu verstehen, warum verschiedene Formen existieren, hilft ein Blick auf den Herstellungsprozess. Fischöl beginnt immer als natürliches Triglycerid, wird dann für die Konzentration zu Ethylester umgebaut und kann optional wieder in Triglycerid zurückverwandelt werden.

Der Herstellungsprozess in 5 Schritten

1

Fischöl gewinnen (= natürliches TG, ca. 30 % Omega-3)

Aus Sardellen, Sardinen oder Makrelen wird rohes Fischöl gepresst. Es enthält ca. 18 % EPA und 12 % DHA in natürlicher Triglycerid-Form. Der Rest sind gesättigte und einfach ungesättigte Fettsäuren.

2

Transesterifizierung (TG → EE)

Durch Reaktion mit Ethanol wird das Glyceringerüst entfernt. Es entstehen einzelne Fettsäure-Ethylester. Dieser Schritt ist nötig, um die Fettsäuren in der folgenden Destillation nach Kettenlänge trennen zu können.

3

Molekulardestillation (Konzentration + Reinigung)

Bei niedriger Temperatur und im Vakuum werden EPA und DHA von anderen Fettsäuren und Schadstoffen (Quecksilber, PCB, Dioxine) getrennt. Der Omega-3-Anteil steigt auf 60 bis 90 %. Das Ergebnis ist ein hochreines Ethylester-Konzentrat.

4a

Stopp hier = Ethylester-Produkt (EE)

Die meisten Billigprodukte stoppen nach Schritt 3. Das Konzentrat wird direkt in Kapseln gefüllt. Die Bezeichnung auf dem Etikett lautet meist nur „Fischölkonzentrat" ohne Formangabe. Spart ca. 40 % Herstellungskosten.

4b

Rückveresterung (EE → rTG)

Hochwertige Hersteller führen einen zusätzlichen Schritt durch: Das Ethanol wird enzymatisch abgespalten und die freien Fettsäuren erneut an Glycerin gebunden. Ergebnis: Ein hochkonzentriertes Omega-3-Öl (60 bis 90 % EPA+DHA) in natürlicher Triglycerid-Form. Dieser Schritt kostet ca. 40 % mehr, ist aber die Grundlage für die bestmögliche Bioverfügbarkeit.

rTG

GOLDSTANDARD

Unsere Empfehlung

Omega-3 in re-esterifizierter Triglycerid-Form (rTG)

Die höchste Bioverfügbarkeit aller Omega-3-Formen. Mindestens 500 mg EPA+DHA pro Kapsel, TOTOX-Wert unter 10, nachhaltig zertifiziert. Das Etikett sollte „Triglycerid", „TG" oder „rTG" ausweisen.

rTG-Form (Goldstandard) TOTOX < 10 ≥ 500 mg EPA+DHA
Auf Amazon.de ansehen

Werbelink (Affiliate)*

Die große Vergleichstabelle

EigenschaftrTGTGEEPL
Vollständiger NameRe-esterifiziertes TriglyceridNatürliches TriglyceridEthylesterPhospholipid
Natürlich/synthetischNaturidentischNatürlichHalbsynthetischNatürlich
TrägermolekülGlycerin (wie im Fisch)GlycerinEthanolPhosphatidylcholin
BioverfügbarkeitSehr hoch (Referenz)GutMäßig (50 bis 70 % weniger)Hoch
EPA+DHA-Konzentration60 bis 90 %ca. 30 %60 bis 90 %15 bis 25 %
OxidationsstabilitätHochHochNiedrigerHoch (Astaxanthin)
Fischiges AufstoßenSeltenSeltenHäufigerSehr selten
HerstellungskostenHochNiedrigAm niedrigstenHoch (Krillfang)
Typischer EndpreisMittel bis hochMittelAm günstigstenAm teuersten
QuelleFischöl, AlgenölFischöl, AlgenölFischölKrillöl

So erkennen Sie die Form auf dem Etikett

Die Fettsäureform ist eine der wichtigsten Informationen beim Kauf von Omega-3-Kapseln. So finden Sie sie auf dem Etikett:

„Triglycerid", „TG", „rTG" oder „natürliche Triglyceridform": Sie haben ein hochwertiges Produkt in der empfohlenen Form. Bei rTG handelt es sich um die beste verfügbare Option.

„Ethylester" oder „EE": Das Produkt enthält die günstigere Form mit niedrigerer Bioverfügbarkeit. Einige Hersteller geben dies ehrlich an.

Keine Angabe (nur „Fischölkonzentrat"): Fast immer handelt es sich um Ethylester. Hersteller, die in die teurere rTG-Form investieren, weisen das auf dem Etikett aus, weil es ein Verkaufsargument ist. Fehlende Formangabe ist deshalb ein Warnsignal.

„Krillöl" oder „Phospholipide": Die Fettsäuren liegen in Phospholipid-Form vor. Achten Sie hier besonders auf den EPA+DHA-Gehalt pro Kapsel, da dieser bei Krillöl deutlich niedriger ist.

Welche Form für wen? Unsere Empfehlung

Für die meisten Menschen: rTG-Fischöl

Hochdosiertes Fischöl in re-esterifizierter Triglycerid-Form bietet die beste Kombination aus hoher Bioverfügbarkeit, hoher EPA+DHA-Konzentration und fairem Preis. Das ist der Goldstandard für alle, die nicht vegan leben.

Für Veganer: TG-Algenöl

Algenöl aus Schizochytrium sp. liefert EPA und DHA in natürlicher Triglycerid-Form, ganz ohne Fisch. Besonders DHA-reich (Verhältnis DHA:EPA ca. 2:1), daher auch ideal für Schwangere.

Bei Fischöl-Unverträglichkeit: PL-Krillöl

Krillöl in Phospholipid-Form verursacht kein fischiges Aufstoßen und liefert zusätzlich Astaxanthin und Cholin. Allerdings ist der EPA+DHA-Gehalt pro Kapsel niedrig und der Preis hoch.

Bei knappem Budget: EE-Fischöl (mit Einschränkung)

Ethylester-Fischöl ist die günstigste Option. Die niedrigere Bioverfügbarkeit lässt sich teilweise kompensieren: Immer mit einer fetthaltigen Mahlzeit einnehmen und die Dosis etwas höher ansetzen. Langfristig gleichen sich die Blutspiegel bei regelmäßiger Einnahme an. Besser ein günstiges EE-Produkt als gar kein Omega-3.

Unsere Empfehlung auf Amazon.de

Omega-3 in re-esterifizierter Triglycerid-Form (rTG)

Goldstandard der Bioverfügbarkeit: Mindestens 500 mg EPA+DHA pro Kapsel, TOTOX unter 10, transparente Laboranalysen, nachhaltig zertifiziert.

Jetzt auf Amazon.de ansehen

* Affiliate-Link: Wenn Sie über diesen Link kaufen, erhalten wir eine kleine Provision. Für Sie entstehen keine Mehrkosten. Wir empfehlen nur Produkte, die unseren Qualitätskriterien entsprechen.

Quellen

  1. Dyerberg, J. et al. (2010): Bioavailability of marine n-3 fatty acid formulations. Prostaglandins, Leukotrienes and Essential Fatty Acids, 83(3):137-141.
  2. Neubronner, J. et al. (2011): Enhanced increase of omega-3 index in response to long-term n-3 fatty acid supplementation from triacylglycerides versus ethyl esters. European Journal of Clinical Nutrition, 65(2):247-54.
  3. Beckermann, B. et al. (1990): Comparative bioavailability of EPA and DHA from triglycerides, free fatty acids and ethyl esters in volunteers. Arzneimittelforschung, 40(6):700-704.
  4. Lawson, L. D. & Hughes, B. G. (1988): Human absorption of fish oil fatty acids as triacylglycerols, free acids, or ethyl esters. Biochem Biophys Res Commun, 152:328-335.
  5. Schuchardt, J. P. & Hahn, A. (2013): Bioavailability of long-chain omega-3 fatty acids. Prostaglandins, Leukotrienes and Essential Fatty Acids, 89(1):1-8.
  6. Ärzte Zeitung (2011): Omega-Fettsäuren in Triglycerid-Form haben Vorteile.
  7. GOED: Voluntary Monograph, Version 6 (2020). Qualitätsstandards für marine Omega-3-Öle.
Ringo Dühmke

Inhaltlich geprüft von Ringo Dühmke

Gesundheitsjournalist mit über 25 Jahren Erfahrung als Chefredakteur von rundumgesund.de und 100-Gesundheitstipps.de. Letzte inhaltliche Prüfung: 17. März 2026. Dieser Artikel basiert auf den oben genannten wissenschaftlichen Studien zur Bioverfügbarkeit verschiedener Omega-3-Formen.

Weiterführende Artikel