Lachs und Omega-3

Deutschlands beliebtester Speisefisch unter der Lupe: Wie viel EPA und DHA stecken wirklich drin, was unterscheidet Wild- von Zuchtlachs und wie bleibt das Omega-3 beim Kochen erhalten?

Ringo Dühmke
Verfasst vonRingo Dühmke
Aktualisiert: 17. März 2026
Lesezeit: ca. 16 Min.

Omega-3-Gehalt: Wie viel EPA und DHA stecken im Lachs?

Lachs ist Deutschlands beliebtester Speisefisch und gehört gleichzeitig zu den ergiebigsten natürlichen Quellen für die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Eine Portion von 100 g rohem Lachs liefert je nach Herkunft und Art zwischen 1.000 und 2.500 mg EPA und DHA. Damit deckt bereits eine einzige Portion den von der EFSA empfohlenen Tagesbedarf von 250 mg EPA+DHA um ein Vielfaches ab.

Die Omega-3-Fettsäuren im Lachs stammen ursprünglich aus seiner natürlichen Nahrungskette: Mikroalgen produzieren EPA und DHA, die über Krill, Garnelen und kleine Fische in den Lachs gelangen und sich in dessen Fettgewebe anreichern. Deshalb gilt: Je fetter der Lachs, desto mehr Omega-3 enthält er. Und genau hier beginnt der entscheidende Unterschied zwischen Wildlachs und Zuchtlachs.

Lachs auf einen Blick: Omega-3-Gehalt pro 100 g (roh)

1,0 bis 1,5 g

EPA+DHA im Wildlachs

Weniger Fett, aber besseres Omega-6:3-Verhältnis (5:1 bis 10:1)

1,5 bis 2,5 g

EPA+DHA im Zuchtlachs

Mehr Gesamtfett, aber auch mehr Omega-6 (Verhältnis oft nur 1:1)

bis 2,5 g

EPA+DHA im Königslachs (Chinook)

Die omega-3-reichste Lachsart, selten im deutschen Handel

Wildlachs vs. Zuchtlachs: Der große Vergleich

Die Frage „Wild oder Zucht?" ist eine der meistdiskutierten beim Lachskauf. Beide haben Vor- und Nachteile, die über den Omega-3-Gehalt hinausgehen. Rund 70 % des in Deutschland verkauften Lachses stammen aus Aquakultur (vor allem aus Norwegen und Schottland), der Rest ist Wildlachs (vor allem aus Alaska und Russland).

Aus dem Meer

Wildlachs

Ernährt sich natürlich von Krill, Garnelen und kleinen Fischen

Magerer (1 bis 3 g Fett pro 100 g laut Stiftung Warentest), dadurch absolut weniger Omega-3 pro Portion

Besseres Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis (ca. 5:1 bis 10:1)

Mehr Vitamin D, Vitamin B12 und Selen

Geringere Belastung mit PCB und Dioxinen

Rötere Farbe durch natürliches Astaxanthin aus der Nahrung

Preis: ca. 25 € pro kg

Aus der Zucht

Zuchtlachs

Wird mit Pellets aus Fischmehl, Sojaschrot und pflanzlichen Ölen gefüttert

Fetter (8 bis 25 g Fett pro 100 g), dadurch absolut mehr Omega-3 pro Portion

Ungünstigeres Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis (oft nur 1:1 bis 3:1)

Omega-3-Gehalt hat in den letzten Jahren abgenommen (mehr pflanzliches Futter)

Kann höhere PCB-, Dioxin- und Antibiotikarückstände enthalten

Farbe durch zugesetztes Astaxanthin (oft synthetisch)

Preis: ca. 12 € pro kg

Empfehlung: Bio-Zuchtlachs als Kompromiss

Wer auf das Gesamtpaket achtet (Omega-3-Menge, Fettsäureverhältnis, Schadstoffbelastung, Nachhaltigkeit), fährt mit Bio-Zuchtlachs am besten. Bio-Lachse erhalten Futter aus ökologischem Anbau und nachhaltiger Fischerei, haben mehr Platz in den Gehegen, bewegen sich mehr und bekommen weniger Parasiten. Das Ergebnis: ein moderater Fettgehalt mit gutem Omega-3-Anteil und geringerer Schadstoffbelastung als konventioneller Zuchtlachs. Wer Wildlachs bevorzugt, sollte auf das MSC-Siegel achten.

Nährwertprofil: Lachs bietet mehr als nur Omega-3

Lachs ist nicht nur eine hervorragende Omega-3-Quelle, sondern liefert ein beeindruckendes Gesamtpaket an Nährstoffen. 100 g Lachs decken den Tagesbedarf mehrerer essenzieller Nährstoffe zu einem erheblichen Anteil.

Nährstoff (pro 100 g Lachs, roh)WildlachsZuchtlachsBedeutung
Kalorienca. 130 kcalca. 208 kcalZuchtlachs kalorienreicher wegen höherem Fettgehalt
Eiweißca. 20 gca. 20 gHochwertiges Protein mit allen essenziellen Aminosäuren
Gesamtfettca. 2 bis 5 gca. 13 gZuchtlachs deutlich fetter, aber nicht alles davon ist Omega-3
EPA+DHA1,0 bis 1,5 g1,5 bis 2,5 gBeide decken den EFSA-Tagesbedarf mehrfach
Vitamin Dca. 600 bis 1.000 IEca. 200 bis 400 IEWildlachs: beste natürliche Vitamin-D-Quelle überhaupt
Vitamin B12ca. 3 bis 4 µgca. 2 bis 3 µgDeckt den Tagesbedarf (4 µg) fast vollständig
Selenca. 30 bis 40 µgca. 20 bis 30 µgWichtiges Spurenelement für Schilddrüse und Immunsystem

Besonders hervorzuheben ist der Vitamin-D-Gehalt von Wildlachs: Mit 600 bis 1.000 IE pro 100 g ist er eine der wenigen natürlichen Nahrungsquellen, die nennenswerte Mengen dieses „Sonnenvitamins" liefern. In Deutschland, wo ein Großteil der Bevölkerung im Winter an Vitamin-D-Mangel leidet, macht das Wildlachs zu einem besonders wertvollen Lebensmittel. Zuchtlachs enthält deutlich weniger Vitamin D, da die Synthese im Fisch von der UV-Exposition und der natürlichen Nahrung abhängt.

Lachsarten im Vergleich

Nicht alle Lachse sind gleich. Es gibt mehrere Arten, die sich in Fettgehalt, Omega-3-Konzentration und Verfügbarkeit unterscheiden. Der im deutschen Handel am häufigsten angebotene Lachs ist der Atlantische Lachs (Salmo salar), der fast ausschließlich aus Zucht stammt. Wildlachs im Handel kommt dagegen aus dem Pazifik.

LachsartEPA+DHA (ca.)HerkunftHinweis
Königslachs (Chinook)bis 2,5 g/100 gAlaska, Pazifik (wild)Fetteste Lachsart, selten und teuer, Omega-3-Spitzenreiter
Atlantischer Lachs (Salmo salar)1,5 bis 2,5 g/100 gNorwegen, Schottland, Chile (Zucht)Häufigste Art im Handel, fast immer Zuchtlachs
Silberlachs (Coho)ca. 1,5 g/100 gAlaska, Pazifik (wild)Milder Geschmack, guter Omega-3-Gehalt, als Tiefkühlware erhältlich
Rotlachs (Sockeye)ca. 1,2 g/100 gAlaska (wild)Intensiv rote Farbe durch natürliches Astaxanthin, kräftiger Geschmack
Keta-Lachs (Chum)ca. 0,6 bis 1,0 g/100 gAlaska, Russland (wild)Magerste Lachsart, günstiger, oft tiefgefroren im Handel

Achtung: Seelachs ist kein Lachs!

Der Name „Seelachs" (auch Alaska-Seelachs oder Köhler) ist irreführend: Er gehört nicht zur Familie der Lachse, sondern zu den Dorschartigen. Sein Fettgehalt liegt deutlich niedriger (unter 1 %) und er enthält nur einen Bruchteil der Omega-3-Fettsäuren eines echten Lachses (etwa 280 bis 500 mg EPA+DHA pro 100 g). Seelachs ist zwar ein guter Eiweißlieferant, ersetzt aber keinen fetten Lachs als Omega-3-Quelle.

Zubereitung: So bleibt das Omega-3 erhalten

Omega-3-Fettsäuren sind hitze- und sauerstoffempfindlich. Die gute Nachricht: Bei schonender Zubereitung bleibt der Großteil der wertvollen EPA und DHA erhalten. Selbst durch Räuchern (Kerntemperatur unter 70 °C) gehen die Omega-3-Fettsäuren kaum verloren. Problematisch wird es erst beim Frittieren oder sehr langem Braten bei hoher Hitze.

ZubereitungsartOmega-3-ErhaltEmpfehlung
Roh (Sashimi, Ceviche)ca. 95 %Bestmöglicher Erhalt, auf Frische und Qualität achten
Gedämpft / Gedünstetca. 90 %Schonendste Garmethode, ideal für Omega-3-Erhalt
Im Ofen gebacken (180 °C)ca. 85 %Sehr gut geeignet, Lachs bleibt saftig
Kurz gebraten (Pfanne)ca. 80 %Moderate Hitze, nur wenige Minuten pro Seite
Geräuchertca. 85 bis 90 %Kalt- und Heißräuchern erhalten Omega-3 gut
Aus der Konserveca. 75 bis 85 %Guter Omega-3-Gehalt, praktisch und lange haltbar
Frittiertca. 50 bis 60 %Hoher Omega-3-Verlust, Panade saugt zusätzlich Omega-6-Öl auf

Nachhaltigkeit und Schadstoffbelastung

Der steigende Lachskonsum (Deutschland: ca. 8 kg pro Kopf und Jahr) hat ökologische Folgen. Die Aquakultur deckt zwar die Nachfrage, bringt aber eigene Probleme mit sich: Wasserverschmutzung durch Fischabfälle, Einsatz von Antibiotika und Insektiziden gegen Lachsläuse, Übertragung von Krankheiten auf Wildfischbestände und die genetische Bedrohung durch entkommene Zuchtlachse. Wildlachsbestände in Alaska gelten als vergleichsweise stabil, sind aber durch Klimawandel und Lebensraumzerstörung ebenfalls unter Druck.

So kaufen Sie nachhaltigeren Lachs

Bei Wildlachs auf das MSC-Siegel achten (besonders Alaska-Wildlachs)

Bei Zuchtlachs Bio-Qualität wählen (z. B. Naturland, EU-Bio, ASC-Siegel)

Fischarten abwechseln: Auch Hering, Sardinen und Makrele liefern viel Omega-3

Algenöl als fischfreie Alternative: EPA und DHA direkt aus Mikroalgen, ohne Fischfang

Schadstoffbelastung: Was Sie wissen sollten

Lachs gehört zu den schadstoffärmeren Fischen (geringe Quecksilberbelastung)

Konventioneller Zuchtlachs kann höhere PCB- und Dioxinwerte aufweisen als Wildlachs

Bio-Zuchtlachs schneidet bei Schadstoffen besser ab als konventioneller

Schwangere und Stillende: Lachs ist empfehlenswert (anders als Thunfisch oder Schwertfisch)

Einkaufstipps und Empfehlungen

Eine Portion pro Woche reicht für die Grundversorgung: Bereits 100 bis 150 g Lachs pro Woche liefern im Durchschnitt 200 bis 350 mg EPA+DHA pro Tag und decken damit die EFSA-Grundempfehlung. Für therapeutische Dosierungen (z. B. bei erhöhten Triglyceriden) reicht Lachs allein nicht aus.

Tiefkühllachs ist eine gute Alternative: Tiefgefrorener Lachs wird oft direkt nach dem Fang schockgefrostet und behält dadurch seinen Omega-3-Gehalt nahezu vollständig. Er ist günstiger als frischer Lachs und hat eine lange Haltbarkeit. Beim Auftauen langsam im Kühlschrank (über Nacht) vorgehen, nicht in der Mikrowelle.

Räucherlachs: Omega-3 bleibt erhalten. Ob kaltgeräuchert (wie auf Brötchen) oder heißgeräuchert: Durch das Räuchern gehen die Omega-3-Fettsäuren kaum verloren, da die Kerntemperatur unter 70 °C bleibt. Räucherlachs ist damit eine praktische Omega-3-Quelle für den Alltag.

Abwechslung ist besser als Monokultur: Wer mehrmals pro Woche Fisch isst, sollte zwischen verschiedenen Arten wechseln. Hering liefert sogar noch mehr Omega-3 als Lachs und ist günstiger. Sardinen sind besonders schadstoffarm. Makrele aus der Dose ist eine praktische, omega-3-reiche Option.

Zusammenfassung

Omega-3-Power: 100 g Lachs liefern 1,0 bis 2,5 g EPA+DHA, je nach Art und Herkunft. Eine Portion deckt den EFSA-Tagesbedarf (250 mg) um ein Vielfaches.

Wildlachs vs. Zuchtlachs: Zuchtlachs enthält absolut mehr Omega-3 (weil fetter), hat aber ein schlechteres Omega-6:3-Verhältnis und kann mehr Schadstoffe enthalten. Wildlachs punktet mit besserem Fettsäureprofil und mehr Vitamin D.

Bester Kompromiss: Bio-Zuchtlachs bietet ein gutes Gleichgewicht aus Omega-3-Menge, Schadstoffkontrolle und Nachhaltigkeit. Bei Wildlachs auf das MSC-Siegel achten.

Mehr als Omega-3: Lachs ist eine hervorragende Quelle für hochwertiges Protein, Vitamin D (Wildlachs: bis 1.000 IE/100 g), Vitamin B12 und Selen.

Schonend zubereiten: Dämpfen, Dünsten, Ofen (180 °C) und Räuchern erhalten 85 bis 95 % der Omega-3-Fettsäuren. Frittieren zerstört bis zu 50 %.

Seelachs ist kein Lachs: Alaska-Seelachs gehört zu den Dorschartigen und enthält nur einen Bruchteil des Omega-3-Gehalts von echtem Lachs.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Stiftung Warentest: Zuchtlachs und Wildlachs im Test (2024). test.de.
  2. Bundeslebensmittelschlüssel (BLS 3.02): Nährwertdaten Lachs. Max Rubner-Institut.
  3. USDA FoodData Central: Salmon, Atlantic, wild/farmed, raw. U.S. Department of Agriculture.
  4. EFSA Panel on Dietetic Products: Scientific Opinion on health claims related to EPA and DHA. EFSA Journal (2010).
  5. Hites RA et al.: Global Assessment of Organic Contaminants in Farmed Salmon. Science (2004); 303(5655):226-229.
  6. Lebensmittel-Forum (Verbraucherzentrale): Omega-3-Gehalt im Lachs, Beitrag aktualisiert 2024.
  7. DGE: Empfehlungen zum Fischverzehr. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2015).
  8. BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung): Fragen und Antworten zu Quecksilber in Fisch (2020).
  9. Marine Stewardship Council (MSC): Nachhaltig zertifizierte Lachsfischereien. msc.org.
  10. Washington State Department of Health (2021): Wild vs. Farmed Salmon Nutrition Comparison.
Ringo Dühmke

Inhaltlich geprüft von Ringo Dühmke

Gesundheitsjournalist mit über 25 Jahren Erfahrung als Chefredakteur von rundumgesund.de und 100-Gesundheitstipps.de. Letzte inhaltliche Prüfung: 17. März 2026. Dieser Artikel basiert auf den oben genannten wissenschaftlichen Quellen.

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